Viktor Axelsen vom Rücken in die Knie gezwungen

Wenige Tage nach Carolina Marín verliert das europäische Badminton seine zweite Ikone: Viktor Axelsen beendet aus Verletzungsgründen per sofort seine Karriere.

Viktor Axelsen vom Rücken in die Knie gezwungen

Viktor Axelsens steiler Aufstieg in die Weltspitze begann in der Schweiz. Nicht im Sportzentrum Kerenzerberg (Bild), wo er 2008 als U15-Junior das Acht-Nationen-Turnier im Einzel und im Team gewann, sondern in der St. Jakobshalle sechs Jahre später: Er gewann den Final gegen den Chinesen Tian Houwei 21:7, 16:21, 25:23 und sicherte sich damit seinen ersten Titel auf Stufe «Grand Prix Gold». Aus dem 194 Zentimeter grossen Talent, dem man in der Jugend nachgesagt hatte, er sei zu gross, um ein Top-Einzelprofi zu werden, war endgültig ein Star geworden. Und er setzte ein weiteres Ausrufezeichen: Seine letzten vier Partien gewann er allesamt über drei Sätze. In Runde 1 hatte er übrigens den Basler Christian Kirchmayr bezwungen.

Kurz darauf war er in der Szene definitiv überall bekannt. 2016 holte er sich in Rio de Janeiro Olympia-Bronze mit einem Sieg gegen Lin Dan, ein Jahr später gewann er in Glasgow zum ersten Mal WM-Gold, wiederum gegen den legendären Chinesen. Es folgten viele weitere Titel – insgesamt sind es deren 51. Gekrönt wurde die Laufbahn von den Olympia-Goldmedaillen in Tokio im Jahr 2021 und in Paris 2024.

Axelsen gelang es, ähnlich wie Marín im Damen-Einzel, der oft übermächtigen asiatischen Konkurrenz Paroli zu bieten, ja, diese sogar immer wieder zu dominieren. Während insgesamt 183 Wochen führte er die Weltrangliste an. Seine Leidenschaft und sein Sportgeist machten ihn überall zu einem gern gesehenen Gast.

Mehrheitlich in Asien unterwegs, vergass der fliessend Mandarin sprechende Axelsen, der in China über eine riesige Fanbasis verfügt, seine frühen Erfolgsstätten nicht. In Basel glänzte er nach dem Titel drei weitere Male: 2015 stand er im Final, 2021 siegte er in der extrem speziellen Atmosphäre ohne Zuschauer wegen der Covid-19-Pandemie, und 2023 erreichte er noch einmal den Halbfinal. Zudem absolvierte er in jenem Jahr mehrere Trainingseinheiten mit den Schweizer Nachwuchshoffnungen Nolan und Hugo Chanthakesone.

In letzter Zeit wurde er vermehrt durch Rückenverletzungen gestoppt. Diese zwangen ihn nun auch zum Rücktritt, wie er gegenüber «Badminton Europe» sagte: «Nach meiner Operation im vergangenen April und einem langen Aufbauprozess hatte ich einen Rückschlag im Oktober. Seit jenen Turnieren konnte ich aufgrund der Schmerzen weder auf dem nötigen Niveau trainieren noch spielen, und deshalb muss ich nun leider diesen extrem schwierigen Entscheid fällen.»